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Geschichte: Die Kelten waren im ersten Jahrtausend v. Chr. die ersten “nachweisbare n” Bewohner in der Pfalz, deren Gebiet damals weit grösser war, und auch noch rechtsrheinisches Gebiet umschloss. Zahlreiche Gräberfunde in der Pfalz belegen dies. Circa 50 v. Chr. beginnt die “römische Zeit” in der Pfalz. Die Römer bringen den Wein mit, und erbauen zahlreiche, teilweise auch heute noch erhaltene Gebäude und Wehranlagen. Um ca. 400 n. Chr. dringen die Alemannen in die Pfalz ein, und beenden 454 die römische Herrschaft. Nur ca. 50 Jahre können sich die Alemannen behaupten, bevor sie 506 von den Franken geschlagen werden. Aus dem fränkischen Herzogtum bildete sich das Kaisergeschlecht der Salier und der Staufer heraus. Sie machten die Pfalz in der Zeit von ca. 1000 bis 1200 zum Zentrum ihrer Macht. Beispiele sind die Reichsburg Trifels, die beiden Dome zu Speyer und Worms, oder das Kloster Limburg. Mit dem Übergang des Pfalzgrafenamtes an Konrad von Staufen 1155 wird diesem Besitz zur Stärkung der staufischen Stellung in Südwestdeutschland das salische Erbe am Donnersberg, im Nahegau, an der Haardt, der Bergstraße und im Kraichgau hinzugefügt. Pfalzgraf Konrad selbst bringt aus mütterlichem Erbe die Hochstiftsvogtei Worms und aus dem Erbe seines Schwiegervaters die Vogtei über das Kloster Lorsch mit ein. 1195 kommt die Pfalzgrafschaft an den Schwiegersohn Konrads, den Welfen Heinrich, dessen Sohn Heinrich sie im Zug der Thronstreitigkeiten seines Onkels Otto IV. mit dem Staufer Friedrich II. aufgibt - die Pfalzgrafschaft wird an seinen Schwager Otto von Wittelsbach gegeben, für den dessen Vater Ludwig bis 1228 die Regierung führt. Erst die Erbstreitigkeiten zur Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern führen mit dem Hausvertrag von Pavia 1329 zur endgültigen Trennung zwischen Ober- und Niederbayern einerseits, der Pfalz mit der Oberpfalz andererseits. Das Eintreten der rheinischen Pfalzgrafen für den Luxemburger Kaiser Karl IV. bringt schließlich in der Goldenen Bulle 1356 die Festschreibung der pfälzischen Kurwürde und der Unteilbarkeit des Kernlandes, das von da an Kurpfalz genannt wird. Kurfürst Ruprecht I. gründete die Universität Heidelberg (1386) u. kaufte Zweibrücken, Mosbach u. Simmern. Sein Großneffe Ruprecht III. wurde 1400 als Ruprecht I. deutscher König. Nach seinem Tod 1410 wurde die Pfalz in die Linien geteilt, die während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit Bestand hatten: Kurpfalz, Oberpfalz, Zweibrücken/Simmern und Mosbach, von denen die Linien Mosbach und Oberpfalz noch im 15. Jahrhundert ausstarben. Die Nachkommen des Pfalzgrafen Stephan von Zweibrücken allerdings traten 1799 das bayerische Erbe an und tragen heute noch den Titel Herzöge von Bayern und Pfalzgrafen bei Rhein. Kurfürst Friedrich I., der Siegreiche, festigt in Kriegen mit seinen Nachbarn die territoriale Stellung der Pfalz und greift bereits, wie auch sein Neffe Philipp, an den südlichen Oberrhein aus. Die Niederlage im Landshuter Erbfolgekrieg bringt jedoch den Verlust dieser oberrheinischen Machtstellung und vor allem den Verlust der Maulbronner Klostervogtei an Württemberg.
Unter Ludwig V. (1508 - 1544) wird das Heidelberger Schloß planmäßig zur modernen Festung ausgebaut, unter seinem Bruder und Nachfolger Friedrich II. (1544 - 1556) hält die Renaissance mit den Loggien des Gläsernen Saalbaus Einzug in das Heidelberger Schloß. Kurfürst Ottheinrich, mit dem die ältere Kurlinie 1559 ausstirbt, setzt die calvinistische Reformation in der Kurpfalz durch, der Kurfürst wird zum Oberhaupt des calvinistischen Lagers, Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrücken interveniert 1569 zugunsten der Hugenotten in Frankreich und wird bei Montcontour geschlagen. Der Heidelberger Katechismus von 1563 ist eines der wichtigsten Dokumente des Calvinismus. Die pfälzische Landesbibliothek, die auf den Emporen der Heiliggeistkirche in Heidelberg aufgestellt ist und gleichzeitig als Universitätsbibliothek dient, wird in dieser Zeit zum Hort der calvinistischen Wissenschaft und clavinistischen Theologie. 1607 wird die Stadt Mannheim gegründet, gleichermaßen als pfälzische Landesfestung wie als Zufluchtsort für verfolgte calvinistische Glaubensbrüder. Der Griff des Kurfürsten Friedrich V. 1619 nach der böhmischen Königskrone sollte ein pfälzisches Territorium zwischen Düsseldorf und Krakau aufbauen, die daraus resultierende Gegnerschaft zu Habsburg und die Niederlage gegen Habsburg brachten aber 1622 die Eroberung Heidelbergs und der Pfalz durch bayerische Truppen. Die pfälzische Landesbibliothek wurde nach Rom verschleppt, die Pfalz verlor ihre Kurwürde an Bayern. Nach Erlöschen der Linie Simmern (1685) machte der französische König Ludwig XIV. im Namen seiner Schwägerin, der Kurfürstin Elisabeth Charlotte ("Lieselotte von der Pfalz") Erbansprüche auf die Pfalz geltend und versuchte die Grenzen Frankreichs an den Rhein auszuweiten, Als er einsehen mußte, daß er diesen Krieg nicht würde gewinnen können, gab er den Befehl, die Pfalz dem Erdboden gleichzumachen ("Brulez le Palatinat" - “Brennt die Pfalz nieder”): Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms, fast alle Städte und Dörfer im Land wurden dem Erdboden gleichgemacht, das Heidelberger Schloß 1693 planmäßig gesprengt. Der "Pfälzische Erbfolgekrieg" wurde 1697 im Frieden von Rijswijk beendet. Auf den calvinistischen Kurfürsten Karl Ludwig folgte 1685 die katholische Linie Pfalz-Neuburg, die 1614 bereits Jülich und Berg mit Düsseldorf geerbt hatte. Kurfürst Johann Wilhelm (1698 - 1716) ließ zunächst das Schwetzinger Schloss im barocken Stil ausbauen, plante auch einen großartigen Neubau vor den Toren der Stadt Heidelberg, blieb aber zunächst in Düsseldorf. Erst sein Nachfolger Karl Philipp, der bereits wieder seine Residenz in Heidelberg aufschlug, nahm Religionsstreitigkeiten mit den Heidelberger Bürgern zum Vorwand, die Residenz 1720 nach Mannheim zu verlegen. Mit Kurfürst Karl Theodor (1742 - 1799) erlebte die Kurpfalz eine letzte Blüte, er förderte Wissenschaft und Kunst, Industrie und Handwerk. Mit dem Tod des letzten bayerischen Herzogs 1777 erbt Kurfürst Karl-Theodor Bayern, und entsprechend den Hausverträgen zog der Hof Karl-Theodors schweren Herzens nach München um. Die Pfälzer erbten also Bayern (und nicht umgekehrt, wie von den Bayern gern behauptet wird :-)), Die Eroberung des linksrheinischen Landes durch die Truppen der Französischen Revolution 1795 machten den Rhein zur Grenze zwischen Pfalz-Bayern und Frankreich; der geheime Friede von Basel zwischen Preußen und Frankreich von 1795 sicherte den Franzosen ihre Eroberungen zu, so daß an eine baldige Rückgabe an Bayern nicht zu denken war. Der rechtsrheinische Teil wurde bei der Neugliederung des Reiches 1803 Baden zugeschlagen, der linksrheinische Teil kam nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815 wieder an Bayern zurück. Die 1795 vollzogene Teilung der alten Kurpfalz behielt Bestand - heute gehört der rechtsrheinische Teil zu Baden-Württemberg, der linksrheinische Teil gehört zu Rheinland-Pfalz. Vieles in der Pfalz - in Verwaltung und Rechtssystem - war damals “moderner”, man könnte auch sagen “westlicher”, als im rechtsrheinischen Bayern. Die calvinistische Tradition hatte sich mit der Tradition der Aufklärung verbunden, die man durch die “Franzosenzeit” und die enge Verbindung mit Paris kennen und auch schätzen gelernt hatte. Politisch freilich wollten die Pfälzer ebensowenig von Frankreich kommandiert werden wie von einer zentralistischen königlich-bayrischen Verwaltungsbürokratie. Viele Pfälzer wünschten sich einen freiheitlichen deutschen Staat. Das Hambacher Schloss wird 1832 Mittelpunkt der Freiheitsbekundungen. Beim Freiheitskampf 1849 stehen 5000 pfälzische Freischärler 30.000 preussischen Soldaten gegenüber. Die Pfälzer werden bis in die Schweiz (!) zurückgedrängt. Nach dem ersten Weltkrieg besetzten wieder einmal die Franzosen die Pfalz. In diesen, und in den vorangegangenen Kriegen, wandern viele Pfälzer nach England, Belgien, in die Schweiz und nach Amerika aus. Seltsames Spiel des Schicksals, wenn man bedenkt das um 1700 Schweizer und Tiroler in grosser Zahl in die verwüstete und menschenleere Pfalz einwanderten, ebenso wie ein Jahrhundert früher Hugenotten und Wallonen hier ein neues Zuhause fanden. 1936 zieht die deutsche Wehrmacht wieder in die Pfalz ein, die im dritten Reich den Namen “Gau Westmark” erhält. Schon 1945 sind die Franzosen wieder da. Sie ordnen 1946 die Gründung des Kunstgebildes “Rheinland-Pfalz” als Bundesland an. Allen damaligen Unkenrufen zum Trotz haben sich die Rheinland-Pfälzer zu einer Einheit zusammen gefunden, auch wenn die Pfalz immer noch eine Besonderheit aufweist: es gibt einer Pfälzer “Regierung”, den Bezirkstag. Trotz allen Gegensätzen gibt es auch immer noch pfälzisch-bayrische Verbindungen: So sitzt der Speyrer Bischof mit in der Münchner Bischofskonferenz, es gibt zahlreiche pfälzisch-bayrische Vereine, und bis vor wenigen Jahren gab es sogar noch einen Pfalzbeauftragten im Bayerischen Senat. Gerne gibt auch der FC Bayern München seine Punkte auf dem Betzenberg ab ;-). Ansätze, die Spaltung der alten Kurpfalz zu überwinden, gab es mehrere, zuletzt 1948 mit dem damaligen Mannheimer Oberbürgermeister Hermann Heimerich als beredtem Fürsprecher. Die historische Schwierigkeit liegt allerdings darin, daß die Kurpfalz ein zersplittertes Staatswesen der Frühen Neuzeit war, das von seiner Staatlichkeit und Geschlossenheit den Flächenstaaten des 19. Jahrhunderts, die die bundesstaatliche Tradition in Deutschland prägten, unterlegen bleiben mußte. Städte wie Worms, Speyer oder Bruchsal konnten sich daher nicht mit der historischen Kurpfalz identifizieren, von der hessischen Bergstraße ganz abgesehen. Die neuen Ansätze zu einer kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenfassung des Raumes zwischen Odenwald und Haardt gehen daher von dem Kunstwort des Rhein-Neckar-Dreiecks aus, das in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg seine Zentren hat. |